VW Bus / Transporter (T4) (1990-2003)

Der VW T4 ist ein Kleintransporter oder Kleinbus der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge. Mit der Einführung des T4 (VW-interne Modellbezeichnung: Typ 70) im August 1990 – einer komplett neuen Konstruktion – ging nach 34 Jahren auch im Volkswagenwerk Hannover (seit 1995 Sitz von Volkswagen Nutzfahrzeuge) die Ära des Heckmotors und Hinterradantriebs zu Ende. Im Jahre 2003 kam der neu konstruierte Nachfolger VW T5 auf den Markt.

Der T4 war das erste Transportermodell von VW, das mit zwei verschieden langen Karosserien und Radständen erhältlich war. Das neue Antriebskonzept mit vorn quer eingebautem Reihenmotor (später auch VR-Motoren) und Frontantrieb ermöglichte eine durchgehende Ladefläche. 1992 wurde der T4 zum Van of the Year gewählt.
 
Die Räder waren einzeln aufgehängt: vorn an Doppelquerlenkern mit Drehstabfederung, hinten an Schräglenkern mit Schraubenfedern, die einen tiefen Laderaumboden ermöglichten. Der T4 hatte eine Zahnstangenlenkung. Eine Servolenkung gab es von Anfang an bei den Transportern mit Fünfzylindermotoren, bei Caravelle GL sowie Multivan und ab 1995 serienmäßig bei allen Modellen. Die Vierzylindermodelle waren bei der Markteinführung noch mit 14″-Rädern ausgerüstet. An der Hinterachse gab es bis Ende 1995 Trommelbremsen. Bei den Modellen ohne Antiblockiersystem war die Bremsanlage, wie bereits seit dem T2 üblich, mit einem lastabhängigen Bremskraftregler ausgerüstet, um ein Überbremsen der Hinterräder in allen Beladungszuständen zu vermeiden. Ein Automatikgetriebe war nur mit Fünfzylindermotoren und eine Klimaanlage nur mit Motoren ab 2 Litern Hubraum erhältlich.
 
Außer dem Transporter als Lkw, der in erster Linie von Firmen und Behörden genutzt wurde, erfreute sich vor allem der Multivan großer Beliebtheit, weil er mit der Innenausstattung (Klapptisch, Bett, Einzelsitze in der zweiten Reihe) viel Komfort für Reisen bot, dennoch Pkw-ähnliche Abmessungen aufwies und so auch im Alltag handlich war. In die USA wurde nur diese – dort mit wesentlich besserer Ausstattung als Eurovan bezeichnete – Version exportiert.
 
Der T4 war mit zwei unterschiedlichen Radständen (2920 mm und 3320 mm) erhältlich; der Multivan allerdings nur mit kurzem Radstand. Der Aufpreis für die lange Version betrug anfangs 1000 DM.
 
Anders als die früheren Modelle T2 und T3 mit Heckmotor hatte der Pritschenwagen kein abschließbares Fach „Tresor“ unter der Ladefläche. Der kleine Stauraum in der geschlossenen Karosserie zwischen Motor und Fahrerhaus war in kleinerer Ausführung auch bei der Doppelkabine des T3 vorhanden und wurde für den T4 von einigen Zubehörlieferanten für den nachträglichen Einbau angeboten.
 
Die Bundeswehr nutzte dieses Modell ab 1995 als Nachfolger für den T3-Pritsche und beschaffte etwa 5610 Fahrzeuge.
 
Der T4 erfuhr zum Jahresende 1995 eine „Große Produktaufwertung“ (GP), ein Eigenname von VW für Modellpflege. Bei Multivan, Caravelle und California wurde die Karosserie vorn um acht Zentimeter verlängert. Der bis dahin rechteckige Kühlergrill erhielt bei diesen gehobenen Varianten das damals VW-typische „Happy Face“, zugleich wurden die Scheinwerfer des langen Vorderwagens durch eine keilförmige Verjüngung dynamischer gestaltet und mit weißen statt gelben Blinkleuchten ergänzt. VW wollte damit die Pkw-Versionen äußerlich von den Transporter-Varianten abheben, die das bisherige Gesicht unverändert bis zum Produktionsende beibehielten. Wie alle T4 bekamen aber auch die einfachen Transporter neue, elastischere Stoßfänger, die von hinten durch nun zwei Nebelschlussleuchten leicht erkennbar sind (von denen in Deutschland und in vielen anderen Ländern aus rechtlichen Gründen nur die linke tatsächlich eine Leuchteinheit enthielt).
 
Die GP umfasste auch zahlreiche technische Änderungen. So hatten alle Räder ein neues Design und Scheibenbremsen nun auch an den Hinterachsen. Sämtliche dieselmotorisierten Varianten hatten eine Abgasanlage mit nach unten gerichteten Doppelendrohren und die Varianten mit Ottomotor ein nach hinten ausgerichtetes Endrohr. Im Innenraum hielten neue Schalter am Armaturenbrett Einzug, die Zifferblätter, Sitzbezüge und die Innenverkleidungen wurden geändert.
 
Gleichzeitig mit der großen Produktaufwertung führte VW den TDI-Motor beim T4 ein, einen Fünfzylinderdiesel mit 2,5 l Hubraum, der bereits 1990 im Audi 100 mit 88 kW (120 PS) sein Debüt hatte, im T4 aber auf 75 kW (102 PS) gedrosselt wurde. Mit der Einführung des langen Vorderwagens wurde auch erstmals der Einbau des 2,8-l-VR6-Motors mit 103 kW (140 PS) – auch hier wiederum gedrosselt gegenüber der Pkw-Version – möglich. Beide neuen Motorisierungen waren durch TDI- bzw. VR6-Schriftzüge in Kühlergrill und am Heck erkennbar, der VR6 hatte zusätzlich stets 16"-Räder und die Kühlergrill-Lamellen in Wagenfarbe lackiert.
 
1998 erschien schließlich der stärkste Dieselmotor, eine leistungsgesteigerte Variante des TDI-Motors mit 111 kW (151 PS), äußerlich erkennbar an einem roten „I“ im Schriftzug, 16"-Rädern und nur mit langem Vorderwagen erhältlich. Gleichzeitig wurde auch eine leistungsschwächere Version des TDI mit 65 kW (88 PS) nachgereicht, dann mit einem blauen „I“ im Schriftzug. Der 1,9-l-Vierzylinder-Turbodiesel blieb hingegen bis zum Produktionsschluss ein konventioneller Wirbelkammermotor, erkennbar etwa an dem manuellen Kaltstartzug am Fahrerplatz. Auch der 2,4 l Fünfzylinder-Saugdiesel wurde nicht auf SDI-Technik umgestellt, sondern verblieb leicht gedrosselt auf 55 kW (75 PS) und mit Oxidationskatalysator versehen im Programm. Als letzte Neuerscheinung im Jahr 2000 ersetzte eine erstarkte Version des VR6-Motors mit 150 kW (204 PS) den Vorgängermotor, gekennzeichnet durch einen Schriftzug V6 mit roter „6“.
 
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